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Unsere Erfolge

Fallbeispiele aus der praxis

Unsere Erfolgsgeschichten zeigen, wie individuelle Unterstützung und gezielte Interventionen das Leben neurodiverser Menschen positiv verändern können. Hier sind einige Beispiele aus unserer Praxis, die verdeutlichen, wie wichtig eine korrekte Diagnose und der richtige Umgang mit Autismus und ADS/ADHS sind.»

Krise im Wohnheim mit autistischer Bewohnerin: Klinikeinweisung? Verlust des Heimplatzes?

Krisensitzung im Wohnheim mit Heimleitung, Pflegedienstleitung und Gruppenleitung wegen einer Patientin, die täglich jeden Morgen das gesamte Geschirr auf den Boden drischt, dann in die Scherben tritt und um sich schlägt. Wenn man sie daran hindern will, dass dadurch ihre Füsse zerschnitten werden und alles voller Blut wird, kommt es zu heftigen Wutausbrüchen. Auch sonst während des Tages häufige «Ausraster» mit Sach- Fremd und Autoaggressivität. Gewaltereignisse damals: 3 – 9 / Tag. Als sie mir geschildert wurde, getraute ich mich nicht, sie alleine zu kontaktieren. Ratlosigkeit, was sollen wir tun? Eine Idee war: künstliches Koma, eine Andere: Sitzwache, eine 3.: Einweisung in die Psychiatrie, mit dem Wissen, dass sie von dort recht bald wieder entlassen wird und alles von neuem beginnt. In der Verzweiflung habe ich Katrin Gysi aufgeboten. Diese ging mit der Patientin einige Male laufen, gemeinsam mit den Hunden. Es gelang Fr. Gysi, einen guten Kontakt zu ihr aufzubauen. Schon diese Peer to Peer- Betreuung brachte eine deutliche Entlastung auf der Wohngruppe. Anschliessend coachte Fr. Gysi das Betreuungsteam im Umgang mit dieser Patientin. Dann nahm die gesamte Betreuergruppe an einem 6- monatigen Training mit Pferd teil, um so Resonanzkommunikation trainieren zu können. Seither kein einziges Gewaltereignis mehr. So blieb es auch bisher, nun schon seit 3 Jahren. Wenn ich auf die Wohngruppe gehe, dann sehe ich die ehemals «gefährliche» Patientin friedlich am Sofa der Wohngruppe sitzen, meistens lächelt sie. Ich wurde nicht mehr aufgeboten, der Erfolg ist anhaltend.

Junger Autist, suizidal, mit extremer Impulsivität

Am Gang einer Wohngruppe steht ein junger Mann, seinen Gürtel, an dem er fest nach oben zieht, hat er um den Hals. Er schreit: «Wenn ich hierbleiben muss, dann bring ich mich um» Ich gehe zu ihm und biete ihm an, ihn von hier weg zu bringen. Er kennt mich gut, er vertraut mir, folgt mir zum Auto, ich fahre ihn direkt in die Psychiatrie, Akutstation, Isozimmer, er ist erleichtert. Alles besser, als die Wohngruppe. Nach Entlassung ist er nicht bereit, wieder zurück ins Wohnheim zu gehen. Es bleiben nur seine Eltern. Da er deutlich autistisch ist und an täglich auftretenden Impulsdurchbrüchen leidet, geht das nicht lange gut. Die Familie ist von Anfang an überfordert. Dringend wird ein neuer Wohnplatz gesucht. Bei jedem Vorstellungsgespräch das gleiche Bild: Er wirft sich auf den Boden, schreit: «Ich bringe mich um!» Natürlich wird er abgewiesen. 15 mal, von 15 Institutionen. Ich weiss keinen Rat, rufe Katrin Gysi an. Sie geht mit ihm spazieren. Zeigt ihm, wie man als Autist sogar einkaufen gehen kann. Zuerst in die Landi- da hat es nur wenige Menschen- später auch in den Coop, zuletzt waren sie zusammen sogar beim Mac Donalds. Sein Selbstbewusstsein wächst. Zum nächsten Vorstellungsgespräch, ins nächste Wohnheim. wird Katrin mitgenommen. Der junge Mann wird wieder extrem angespannt. Katrin erkennt das sofort und geht mit ihm hinaus. Dort erklärt er ihr, dass es ihm zu laut ist. «Dann sag es denen doch!» o.k., er sagt es: «Ist mir zu laut» Es wurde ihm ein ruhigeres Zimmer angeboten, und einen Einzelarbeitsplatz in der Werkstadt. Jetzt wohnt er seit 2 Jahren in diesem Wohnheim. Zu Anspannungen kommt es immer noch, aber selten, dann wird Katrin angerufen, die jeweils schon per Telefon deeskalieren kann. Seither war einmalig eine Klinikeinweisung für 3 Tage erforderlich. Ansonsten wird der junge Mann als gut führbar beschrieben, er arbeitet in der Werkstadt und geht am Wochenende selbständig seine Eltern besuchen. Diese freuen sich, er wirkt ausgeglichen und kann sagen, wann er Ruhe braucht.

Fehldiagnosen, Fehlbehandlungen, Drogenerkrankung, weil Autismus nicht erkannt wurde

24-jähriger Mann landet auf der geschlossen geführten Abteilung eines Wohnheims. Ursache: Medikamenten- und Drogenabhängigkeit, was ihn schon mehrmals wegen diversen Vergiftungen auf die Intensivstation gebracht hat. Er hatte 2 verschiedene Neuroleptika, 2 Antidepressiva, alles in hoher Dosierung und 30mg Valium in der Fixmedikation. Er geriet immer wieder in Verzweiflungszustände mit heftigem Drogenkonsum. Dies wurde als depressive Krisen interpretiert, diverse Fachkliniken diagnostizierten aufgrund der Selbstverletzungen und den heftigen Stimmungsschwankungen eine Borderline- Persönlichkeitsstörung. Schon in unserem ersten Gespräch fielen mir typisch autistische Merkmale auf. Ich begann sofort, ihm entsprechende Fragen zu stellen. Er antwortete: «Klären Sie mich gerade auf Autismus ab?» Ich bejate. Er zeigte mir sein Tagebuch. Da stand: «18.08.2023 (5 Monate, bevor ich ihn kennen lernte): Habe einen Autismus- Fragebogen ausgefüllt. Von 15 Fragen habe ich 13 mit ja beantwortet.» Ich konnte nach genauer Anamnese und Untersuchung einen Asperger- Autismus und ADHS diagnostizieren. Dadurch war es möglich, ihm die Ursachen seiner Symptome zu erklären. Er wurde Experte in eigener Sache. So ist es ihm nun möglich, zu erkennen, was ihn stresst, wann er überfordert ist, und was es braucht, um dies zu vermeiden. Wir konnten die Neuroleptika, die Antidepressiva (waren schon in der Vorgeschichte allesamt wirkungslos) und die 30mg Valium absetzen. Durch das verstehen, was seine Probleme verursacht, und warum er sich «anders» fühlt, gelang es, dass depressive Episoden und auch Wutausbrüche mit Selbstverletzung sowie Drogenkonsum vermieden werden konnten. Nun kann er einen seinen Bedürfnissen entsprechenden Arbeitsplatz suchen. Auch hierbei werden wir ihn sehr gerne unterstützen. Er ist seit Monaten in ausgeglichener Stimmung, Drogenfrei und stabil. Schon bald wird er aus der geschlossenen Abteilung des Wohnheims nach Hause entlassen werden.

WISSENSCHAFTLICHE ARBEITEN UND PRÄSENTATIONEN

Im Rahmen der Tagung «Behinderung und Lebensqualität» werden wir am 03. September 2024, an der Hochschule Luzern, über folgendes Thema einen Workshop abhalten: «Methoden und Ansätze zum Umgang mit herausforderndem Verhalten von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen»

Weltkongress für Psychiatrie: 28.09. – 01.10.2023: Posterpräsentation: Resonanzkommunikation, erste Ergebnisse

Hochschule Luzern, Abteilung für Soziale Arbeit

Workshop im Rahmen der Tagung: Methoden und Ansätze zum Umgang mit herausforderndem Verhalten von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung.

Resonanzkommunikation, Workshopleitung: Dr. med. llse Michlbernhard, Fachärztin Innere Medizin FMH, Dignität für Psychiatrie und Psychotherapie & Katrin Gysi, Haus. Betriebsleiterin HHF, Trainerin C Westernreiten EWU, Asperger- Autistin

Herausforderndes Verhalten kann die Betreuenden in eine Position bringen, in der sie nurmehr reagieren können und so die Kontrolle über die Situation verlieren. Der Kurs zeigt Möglichkeiten auf, wie wir mit nonverbaler Kommunikation wieder zum Spielleiter werden und Sicherheit vermitteln können, um so schwierige Situationen zu deeskalieren. Hierfür werden geeignete Übungen angeboten. Ein wesentlicher Bestandteil wird sein, sich die Wirksamkeit der eigenen inneren Einstellung und deren Resonanz bewusst zu machen, damit sie direkt wirksam werden kann.